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Auf den Spuren von Jan Baalsrud

Die Wirklichkeit ist zuweilen dramatischer als alles, was Schriftsteller und Filmproduzenten zu erdenken wagen. Die Geschichte der Flucht von Jan Baalsrud durch das besetzte Nordnorwegen im Frühjahr 1943 wirkt beinahe irreal. Der neue norwegische Kinofilm „Den 12. mann“ (Der 12. Mann) beleuchtet die Geschehnisse eindrucksvoll. Wir haben uns auf die Suche nach den Originalschauplätzen gemacht.

Geschichte
14.12.201710:26 Marie Kr Angelsen

Dramatische Flucht

Ende 1943 begab sich Jan Baalsrud mit 11 weiteren Agenten der Kompanie Linge auf dem Fischkutter Brattholm von den Shetlandinseln nach Troms, um im besetzten Norwegen Sabotageaktionen durchzuführen. Das Boot wurde entdeckt – drei der Kameraden wurden sofort erschossen, acht weitere gefangen genommen und später in Tromsø hingerichtet. Nur Jan Baalsrud, der 12. Mann, konnte entkommen, er floh vom 30. März bis zum 1. Juni quer über das nördliche Troms. Mit der Unterstützung zahlreicher Einheimischer konnte er sich schließlich nach Schweden retten, allerdings alles andere als unversehrt, denn aufgrund eines Gangräns musste er sich in einer Schneehöhle fast alle Zehen selbst amputieren.

Zu den Originalschauplätzen

Die Geschichte ist in David Howarths Buch We die alone von 1955 geschildert, das 1957 verfilmt wurde. Bald darauf erschien auch eine deutsche Synchronisation unter dem Titel Soweit die Kräfte reichen. Der Film wurde 1958 für einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. 2017 startet nun Den 12 mann in den Kinos, eine gänzlich neue Version der Geschichte. Für Cineasten ist daher ein Besuch der Schauplätze interessant, an denen sich das Drama tatsächlich abspielte.  www.nordnorge.com bereiste das Gebiet am Lyngenfjord, um sich auf Spurensuche zu begeben.

Karlsøy

Die Siedlung Toftefjorden auf der Rebbenesøya, wo die dramatische Flucht begann, ist nicht mehr bewohnt. Hier findet man ein Denkmal, das aus 11 Steinen aus der Umgebung gemauert ist – einer für jeden Umgekommenen. Der heute verlassene Hof Haugland Gård auf der Hersøya ist die erste Station, an der Jan Baalsrud Unterschlupf fand und verpflegt wurde. Das Haupthaus ist noch vorhanden.

Ausstellung in Furuflaten

Nachdem sich Jan Baalsrud in den Lyngsalpen im Schneesturm verirrt hatte, suchte er am oberen Dorfrand von Furuflaten in einem Heuschober Schutz, der heute noch vorhanden ist. Im Gemeindehaus wurde eine kleine Ausstellung über Jan Baalsrud zusammengestellt, in der z.B. Jan Baalsruds Skier zu sehen sind. Sie wurden nach seiner Flucht im Gebirge gefunden, zunächst als Milchschlitten verwendet und schließlich der Ausstellung überlassen. Auch das Ruder der MS Brattholm gehört zu den Exponaten. 

Hotel Savoy

Auf der anderen Fjordseite, wohin man Jan Baalsrud am 12. April brachte, steht eine einfache, kleine Hütte ohne Heizmöglichkeit, etwas sarkastisch Hotel Savoy genannt. Das heute liebevoll restaurierte Gebäude ist noch nicht als Schauplatz der Geschichte beschildert, das ausliegende Gästebuch enthält jedoch zahlreiche Einträge. An schönen, warmen Tagen wirkt die Szenerie recht idyllisch, eiskalte Aprilnächte sind jedoch sicher wenig angenehm.

Baalsrud-Höhle

Am längsten hielt sich Jan Baalsrud in einer Felsspalte am obersten Ende des Manndalen-Tals versteckt. Hierher führt ein 5,5 km langer Pfad, den die Einheimischen nutzten, um Baalsrud heimlich zu verpflegen. Er ist heute leicht zu begehen, kaum steinig und hat nur kurze sumpfige Abschnitte. Kurz vor dem Ziel führt eine elegante Fußgängerbrücke über den Fluss. „Höhle“ ist milde gesagt eine Übertreibung: Die Baalsrudhöhle ist eigentlich nur ein Felsspalt –dass hier ein Mensch mit Erfrierungen drei Wochen lang überleben konnte, ist eigentlich kaum vorstellbar. Für die Tour zur Baalsrud-Höhle benötigt man etwa 3,5-4 Stunden einschließlich einer Pause, siehe auch den Wanderführer Lyngenfjord Nummer 10. 

Grabstein

Baalsruds letzter Wunsch vor seinem Tod 1988 war ein Begräbnis auf dem Friedhof von Manndalen. Sein Grabstein steht bescheiden am Zaun links des Eingangs, er unterscheidet sich nicht von anderen – nur durch die Inschrift „Danke allen, die mir 1943 zur Freiheit verhalfen“.

Brattholm-Denkmal in Tromsø

Am Hinrichtungsort der acht Soldaten der Kompanie Linge, die sich an der Brattholm-Mission beteiligt hatten, steht heute ein Denkmal. Die Stelle befindet sich auf dem Gelände der Universität Tromsø.

Jan Baalsrud-Gedächtnismarsch

Alljährlich Ende Juli findet der Jan Baalsrud-Gedächtnismarsch statt. Die 200 Kilometer lange Strecke führt über die Rebbenesøya, Ringvassøya und Lyngenhalvøya auf das Festland östlich des Lyngenfjords. Die Gesamtstrecke wird in 8 Tagen absolviert, wobei man auch nur einen Teil der Strecke mitwandern kann.

Die Fluchtroute nachvollziehen

www.nordnorge.com benötigte einen ganzen Tag, um die Orte des Geschehens am Lyngenfjord aufzusuchen. Die Ziele auf Karlsøy sind schwerer zu erreichen, lohnen die Anstrengung jedoch. 

  • Für die Ausstellung in Furuflaten gibt es keine Öffnungszeiten. Kjellaug Grønvoll, telefonisch erreichbar unter 957 34 949, sorgt jedoch gerne für Einlass, wann immer sie kann. Der Heuschober ist privat und normalerweise nicht zugänglich.
  • Das Hotel Savoy liegt an der E6 direkt nördlich der Gemeindegrenze zwischen Storfjord und Kåfjord, 14 km nördlich von Skibotn. Die Hütte ist nicht als Besuchsziel gekennzeichnet, die GPS-Koordinaten lauten 69.467396, 20.325756.  Am Fjord gibt es einen Parkplatz, von dem aus man über einen kurzen Pfad zur Hütte hinuntergelangt. Nähere Informationen gibt es im Reiseführer Visit Lyngensfjords Travelguide
  • Der Friedhof Manndalen liegt mitten im Ort, während die Tour zur Baalsrudhöhle an der Alm beginnt, die sich am obersten Ende des Manndalen am Ende der Straße befindet. Von hier aus führt ein beschilderter, mit orangen Balken markierter Pfad zur Höhle.
  • Von Mikkelvik/Mariagården führt eine Fähre nach Bromnes auf der Rebbenesøya. Von hier aus sind es noch 4 km Fußweg nach Toftefjorden.  Lise Haug Halvorsen, Telefon 907 89 699, gibt gerne Routenempfehlungen und organisiert auch Kajaktouren nach Toftefjorden. 
  • Das Haus auf Hersøya wird von Karlsøy Jäger und Fisch betrieben. Kontakt:  Jan Lindrupsen, Telefon 906 13 455. Bei ausreichend frühzeitiger Anmeldung kann er die Überfahrt mit dem Boot organisieren. 

Nähere Informationen

Natürlich empfehlen wir die Lektüre des Buches We die alone von David Howarth sowie den Film Den 12. mann , der im Dezember 2017 Premiere hat (zunächst noch in norwegischer Sprache). Auch die Verfilmung So weit die Kräfte reichen von 1957 ist höchst sehenswert!

Knut Hansvold / www.nordnorge.com
Kjellaug Grønvoll zeigt die Schier, die Jan Baalsrud benutzte
Knut Hansvold / www.nordnorge.com
Der Grabstein Jan Baalsruds in Manndalen
Knut Hansvold / www.nordnorge.com
Vor der Baalsrudhöhle
Knut Hansvold / www.nordnorge.com
Das Notizbüchlein im Hotel Savoy
Knut Hansvold / www.nordnorge.com
Wir nähern uns die Baalsrudhöhle
Knut Hansvold / www.nordnorge.com
Die Baalsrudhöhle, nichts anders als eine Spalte

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